Highway to Hell oder Stairway to Heaven?

Opfer oder verantwortungsvoll?

Erwachen ist nicht wirklich eine besondere Sache. Tatsächlich geht es nur um das Überkommen EINES Gedanken, der konstant das Leben in Hölle hält: dass etwas mit mir nicht stimmt. Sobald die Erkenntnis da ist, dass der ganze weiser-werden-Schmuh und das durch-den-Schmerz-tauchen nicht aufhört, werden Prozesse einfacher, weil die Zusatzschleife des Versagens und der Scham ein Ende nehmen.

Was allerdings besonders ist, ist wie persönlich dieser Schmerz ist, so lange wir nicht um uns selber wissen.

Er reißt uns mit, in die tiefsten Tiefen des irdischen Erlebens und im nächsten Moment lässt er uns harsch über andere urteilen, macht uns übergriffig, selbstgerecht und unnahbar. Da wir in diesem Stadium nur in Täter und Opfer denken können, bleibt uns entweder die Rolle der Missetäterin, die schamvoll hinfortkreuchen sollte, oder die Rolle des armen Opfers, das NIX dafür kann, wie es ihm geht - also: egal wie, kein Ausweg.

Die einzige Austrittspforte aus diesem dualen Denken ist Mitgefühl. Die größte Angst der Grenzenlosen. Denn unser vermeintliches Mitgefühl hat uns jahrelang zu Jasager*innen und rückgratlosen Mitspielern gemacht. "Wir brauchen kein Mitgefühl! Wir brauchen Grenzen!" höre ich uns alle schreien. "Nie wieder!", "Mit mir nicht!", "Schwein!"

Rückblickend sehe ich diesen Anteil von mir mit einem liebevollen Schmunzeln und einem Quentchen Schmerz der Erinnerung daran, wie hart ich war. Auf Nervensystembasis befinden wir uns hier im Zustand der Sympathikusaktivierung: aktiver als die Hilflosigkeit, aus der wir uns qualvoll hochgearbeitet haben, doch immer noch in unfassbarer Anstrengung und - ich muss es leider so sagen: mit mehr Blut in der Skelettmuskulatur und dem roten Gesicht, als im Hirn.

Der einzige Weg, den ich kenne, um Ruhe und Erholung zu bekommen, sprich: den ventralen Vagus zu aktivieren, ist Mitgefühl. Nicht für mein Gegenüber, sondern für mich. Verantwortung heißt Respekt. Mitgefühl ist, zu erkennen, wo ich keine Verantwortung für mich übernommen habe und anzuerkennen, dass ich es einfach nicht besser wusste.

Beispiel: eine meiner härtesten Selbsthass-Nummern.

Highway to Hell: Mit Ende zwanzig erhielt ich im Rahmen des Scheidungsprozesses eine Beurteilung einer Tiefenpsychologin über mich. Was ich verstand war, dass meine bloße Anwesenheit Leid für meine Tochter kreiert. Meine traumatische Vergangenheit erschafft ihr qualvolles Jetzt. Ich war im Schock. Komplett in Immobilisation, als ich das hörte. Taub, nur ein dumpfes Wummern in meinem Kopf und der Gedanke: "Fahre ich in die Klapse, oder hole ich meine Tochter von der Oma ab?" Um es abzukürzen: dies trug dazu bei, dass ich meine Tochter losließ. Sie lebt bei ihrem Vater. Dort lag mein ultimativer Selbsthass.

Die Wut war auf die Psychologin projiziert: machtvolle Position, sie hätte besser wissen müssen, sie blabla. Außerdem erschuf ich die "Nie wieder"-Ragna. Niemand sollte je wieder die Macht bekommen, mich durch Kritik oder in Frage stellen, zum Aufgeben zu bringen. Diese Ragna sollte sterben. Tot sein. Weg. Dies war ein Gefängnis, das mir Kontrolle und Sicherheit vorgaukelte, doch angefüllt war mit Einsamkeit, Selbsthass, Angst und Misstrauen. Das hätte fast meine zweite Ehe gekillt.

Stairway to Heaven:

Der Weg raus?

Rein.

In die Situation. Psychologin und ich in einem Raum. Vogelperspektive auf mich. Klein, verängstigt, bemüht, gut rüberzukommen. Macht abgegeben. Nicht weil ich schrecklich war. Weil ich klein war. Verängstigt. Unterstützung wollte. Mein schneidendes Urteil und meine hasserfüllte Ablehnung trafen ein Mädchen, das bereits verletzt war. Und ließen es nur noch einsamer sein.

Als ich mich sah, sah ich mich. Tränen, Schmerz, Mitgefühl, Akzeptanz = Handlungsfähigkeit an. Loslassen der Vergangenheit. Achtsamkeit mit der Person, die ich gelernt habe zu sein. Authentizität. Auch heute noch kann es mir die Existenzberechtigung nehmen, wenn ich in Frage gestellt werde. Es ist ein uraltes Familienmuster. Doch heute weiß ich um die Kleinheit dieses Raums und dass ich um Zeit bitten darf, um wieder zu mir zu kommen. Fragen darf, was wirklich gemeint war. Ich bin nicht besser. Ich kümmere mich nur mitfühlend um dieses verirrte Ich. Dies ist die einzig wahre, unumstößliche Grenze. Echte Grenze. Denn ich beschütze nur, was ich liebe.

Doch dafür muss ich wissen, wer ich bin, was ich tue und wann. Die Fähigkeit anzuerkennen, dass ich "unperfekt" bin, ist die wichtigste auf dem Weg zur Freiheit. Und dann werden die automatischen Muster irgendwann blitzschnell von Selbstliebe überschwemmt und finden ihren Platz im Hort der Vergangenheiten. Wissend, dass endlich endlich jemand für sie sorgt.

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